Charpentier

dass der Phönix Musik mit leichterem und leuchtenderem Gefieder, als er je gezeigt, an uns vorüberfliegt“
(nach Friedrich Wilhelm Nietzsche: Ecce homo)

Das  Ensemble Concerto Foscari vereint junge, international agierende MusikerInnen mit hoher Affinität zu der Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts in dem Wunsch, generationsübergreifend Menschen für die Vielfalt der Musik dieser Zeit zu begeistern, und ihre Relevanz für das Hier und Jetzt zu beleuchten und zu würdigen. So entstanden Projekte wie beispielsweise „Symphonie pour David“ – ein Programm zum Reformationsjubiläum, das den Spuren des Genfer Psalters von Europa bis in das Osmanische Reich folgt, „In dialogo“ – eine Begegnung von Musik und Lesung, Geschichte und Gegenwart, die Auszüge aus einem im Jahre 1704 am hannoverschen Hofe gehaltenen Gespräch zwischen Juden und Christen mit Musik verbindet und neu zum Dialog der Religionen aufruft oder „Concert d’Anniversaire“ – konzipiert als Geburtstagskonzert für einen der großen Denker Europas, Gottfried Wilhelm Leibniz: ein fulminantes und farbenreiches musikalisches Fest.

Die Konzertprogramme von Concerto Foscari sind jeweils mit einem musikpädagogischen Projekt verbunden. Auf eine altersgerechte, kreative und unmittelbare Weise wird die Schönheit, Sinnlichkeit und Lebendigkeit der musikalischen Welt für junge Menschen erlebbar. Rhythmik – Musikvermittlung durch Bewegung – bildet einen Schwerpunkt der musikpädagogischen Arbeit.

Die musikalische Leitung hat Alon Sariel.

 

Cellesche Zeitung, 15. Februar

Das Ensemble „Concerto Foscari“ überzeugt in Hannover mit einem originellen, sehr inspiriert vorgetragenen Programm

 

Von Reinald Hanke

Der Bereich der sogenannten Alten Musik passiert in der Region nicht viel Originelles. Das scheint sich nun zu ändern, denn die in Hannover ansässige Formation „Concerto Foscari“ unter Leitung des Lautenisten Alon Sariel gehört zur Minderheit derer, die sich im Bereich der Alten Musik Programmkonzepte überlegen, die weit ab sind vom üblichen Einerlei. 

Nun präsentierte „Concero Foscari“ in der Neustädter Hof- und Stadtkirche ein Programm mit dem Titel „Symphonie pour David – Auf den Spuren des Genfer Psalters durch Europa bis ins Osmanische Reich“. Man vereinte einstimmige Vertonungen von Psalmen aus dem sogenannten Genfer Psalter mit Instrumentalmusik aus den Niederlanden und Norddeutschland, ja sogar mit Musik eines Komponisten mit regionalem Bezug. Johann Rosenmüller wirkte nämlich für eine kürzere Zeit ganz in der Nähe, nämlich in Braunschweig. Das Konzert geriet so zu einer faszinierenden musikalischen Entdeckungsreise, die dem geneigten Zuhörer nicht nur neue historische Klänge bot sondern zudem auch noch hörenden Erkenntnisgewinn. Dieser lag darin, dass es wohl für fast alle Zuhörer etwas Neues gewesen sein dürfte, vertraute Psalmmelodien in Gewändern zu erleben, die teilweise äußerst exotisch klangen. 

Der 1610  geborene Komponist Ali Ufuki wurde unter anderem Namen in Polen geboren und als junger Erwachsener an den Hof des Sultans von Konstantinopel verschleppt. Dort übersetzte er nicht nur Teile des reformatorischen Genfer Psalters, sondern schuf vor allem auch musikalische Fassungen, die das so ganz anders geartete Tonsystem der heutigen Türkei mit der westlichen Melodik der Psalmen verband. So entstanden Werke, die für uns in ihrer Mischung aus Vertrautheit der Melodik und Fremdheit der anderen musikalischen Parameter einen großen Reiz entwickeln können. Man stelle sich einfach vor, dass ganz fremden Tonarten mit Halb- und Dritteltönen von Ufuki kombiniert wurden mit den bekannten Melodien der Psalmen.  

Natürlich funktioniert das nur, wenn diese Musik so spielfreudig, inspiriert und gekonnt dargeboten wird wie das an diesem Abend zu erleben war. Das „Concerto Foscari“ unter Alon Sariel erwies sich als ideale Formation für dieses ungewöhnliche Konzertprojekt, das allerdings ein wenig darunter litt, dass die Programmfolge trotz eines ausgesprochen gut gemachten Programmheftes unklar blieb. So musste man spekulieren, ob die einstimmigen, äußerst gekonnten und wirkungsstarken Psalmvariationen nun Improvisationen waren oder nicht. Man ist wohl davon ausgegangen, dass die Zuhörer alle in den Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn um 18.30 Uhr gehen: eine etwas sehr idealistische Vorstellung. Da war das programmatische Konzept des Abends leider nicht bis zu Ende gedacht. Trotzdem: Insgesamt ein beeindruckendes Konzert mit einem Ensemble, das man gerne in Celle hören würde.